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Wirtschaftsfachwirt berufsbegleitend

Wirtschaftsfachwirt in der Assistenz der Geschäftsführung

· 9 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Assistenz in einem eleganten Büro mit Laptop, Unterlagen und Telefon

Die Assistenz der Geschäftsführung ist eine der attraktivsten Rollen nach dem Wirtschaftsfachwirt, weil sie hohe Sichtbarkeit bei geringem Hierarchieabstand zur Unternehmensspitze bietet. Typisches Gehalt 2026: 50.000 bis 72.000 Euro brutto pro Jahr. Besonders im Mittelstand und bei kleineren Konzerntöchtern ist der WFW ein guter Einstieg in diese Rolle.

Anders als der Titel “Assistentin” vermuten lässt, ist die Rolle nicht Sekretariat. Sie ist Projektarbeit, Analyse, strategische Vorbereitung und oft Vertretung in Sitzungen. Viele Absolventen, die in dieser Rolle anfangen, werden nach zwei bis vier Jahren Bereichsleiter oder Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft.

Was macht eine Assistenz der Geschäftsführung konkret?

Die Rolle variiert stark nach Firma. Drei typische Profile.

Profil 1: Strategische Assistenz im Mittelstand

  • Markt- und Wettbewerbsanalysen für strategische Entscheidungen
  • Business Cases für Investitionen (Fabrikausbau, Akquisitionen, neue Produkte)
  • Vorbereitung von Gesellschafterversammlungen und Beiratssitzungen
  • Projektarbeit quer durch alle Bereiche
  • Vertretung der GF bei Kundenterminen, Verbandstreffen, internen Runden

Profil 2: Operative Assistenz in wachsenden Unternehmen

  • Koordination von Schnittstellenprozessen
  • Reporting an die Geschäftsleitung
  • Tracking offener Entscheidungen
  • Organisation von Abteilungsübergreifenden Initiativen
  • KPI-Überwachung und Analyse

Profil 3: Projekt-orientierte Assistenz

  • Leitung zeitlich begrenzter strategischer Projekte
  • Digitalisierungsinitiativen
  • Post-Merger-Integration
  • Effizienzprogramme
  • Vorbereitung von Entscheidungspapieren

In meinen Kursen höre ich oft: “Ich wusste nicht, wie vielfältig diese Rolle ist.” Das ist typisch. Die Assistenz ist nicht das, was viele sich vorstellen.

Warum passt der WFW so gut zu dieser Rolle?

Drei Gründe.

  1. Breite: Die Assistenz muss alle Unternehmensfunktionen grundsätzlich verstehen. Der WFW deckt Finanzen, Marketing, Personal, Recht, Logistik ab. Genau das, was hier gebraucht wird.
  2. Berufserfahrung: Die Zulassung zum WFW setzt Berufserfahrung voraus. Geschäftsführer wollen Assistenten mit praktischem Hintergrund, keine frischen Studienabsolventen.
  3. IHK-Abschluss: Die Geschäftsleitung traut Absolventen mit bestandener IHK-Prüfung kaufmännische Grundlagen zu. Das ist zentral.

Was fehlt: für große Konzerne wird oft ein Bachelor oder Master erwartet, die Assistenz gleich auf Direktoren- oder Vorstandsebene sein sollte.

Wo passt die Rolle besonders gut?

FirmengrößeWFW als Assistenz der GFTypisches Gehalt
Familien-Mittelstand (50-500 MA)Sehr gut50.000-68.000 EUR
Mittelständischer Konzern (500-5.000 MA)Gut55.000-72.000 EUR
Konzerntochter (größerer Konzern)Möglich55.000-75.000 EUR
Großunternehmen (5.000+ MA)Selten, oft Bachelor gefordert60.000-85.000 EUR
Startup (wachsend)Möglich, unklare Rollen50.000-72.000 EUR plus ggf. Beteiligung

Der Familien-Mittelstand ist oft der ideale Landepunkt. Dort zählt weniger der akademische Hintergrund als die praktische Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, dem Inhaber einen Kopf zur Verfügung zu stellen.

Welche Soft Skills sind entscheidend?

Vier Eigenschaften, die in der Praxis den Unterschied machen.

  1. Diskretion: Die Assistenz erfährt oft vertrauliche Dinge (Personalentscheidungen, Strategiewechsel, M&A-Pläne). Wer nicht dicht halten kann, ist unerwünscht.
  2. Priorisierung unter Druck: An einem typischen Tag hast du 15 offene Themen. Welche sind wichtig, welche können warten? Das ist trainierbar, aber die Grundhaltung muss stimmen.
  3. Schnelle Auffassung: Geschäftsführer sprechen oft in Andeutungen. Du musst mitdenken, statt alles zweimal erklärt zu bekommen.
  4. Geduld mit schwierigen Chefs: Viele Geschäftsführer sind stark im Fachlichen, aber nicht immer in der Menschenführung. Wer führungsstark werden will, lernt hier viel durch Beobachtung.

Was ich in der Beratungspraxis sehe: die besten Assistenten sind nicht unbedingt die schnellsten, sondern die, die Fragen stellen. “Was ist das Ziel? Was ist der nächste Schritt?” Klarheit schaffen, wo andere nur ausführen.

Welche Karrierepfade öffnet die Rolle?

Drei häufige nächste Schritte nach der Assistenz.

Bereichs- oder Abteilungsleitung

Typisch nach 2 bis 4 Jahren. Du hast alle Funktionen der Firma von oben gesehen, kennst die Leute und die Prozesse. Jetzt kannst du einen Bereich (Controlling, Einkauf, Vertriebsinnendienst, Organisation) übernehmen.

Gehaltssprung: oft 15 bis 25 Prozent, plus disziplinarische Verantwortung.

Geschäftsführung einer Tochtergesellschaft

Seltener, aber möglich bei wachsenden Mittelständlern. Wenn die Familie ihre Tochtergesellschaft strukturieren will, ist die Assistenz oft die richtige Wahl.

Gehaltssprung: 30 bis 50 Prozent, plus mehr Verantwortung.

Wechsel in eine andere Firma in größerer Rolle

Die Assistenz ist ein hervorragender Lebenslauf-Punkt. Wer zwei bis drei Jahre in dieser Rolle war, wird oft extern als Bereichsleiter oder Prokurist angeworben.

Typisches Plus beim Wechsel: 20 bis 30 Prozent.

Mehr dazu in Arbeitgeberwechsel nach Wirtschaftsfachwirt.

Wie wechselst du in diese Rolle?

Drei Wege.

  1. Intern: Sprich deinen Chef an, wenn in eurer Firma die Position frei wird. Der WFW ist ein gutes Argument.
  2. Extern über Ausschreibungen: Direkt nach “Assistenz der Geschäftsführung” plus Region suchen. Stellenmärkte haben diese Rollen oft explizit.
  3. Über Personalberater: Für diese Rolle arbeiten viele Mittelständler mit Personalberatungen. Netzwerk pflegen hilft.

Die Bewerbung auf diese Rolle braucht ein gutes Anschreiben. Geschäftsführer lesen Bewerbungen selbst (oft). Das Anschreiben muss zeigen, dass du mitdenkst und schreiben kannst.

Welche Tools und Kompetenzen solltest du haben?

  • Fließendes Excel: Analysen, Business Cases, Forecasting
  • PowerPoint sauber: Präsentationen für den Beirat
  • Reporting-Tools: Power BI, Tableau oder ähnlich
  • Schreiben: Präzise E-Mails, Entscheidungspapiere, interne Kommunikation
  • Englisch: B2 bis C1, oft in Mittelständlern mit internationalem Geschäft

Details zu häufig nachgefragten kaufmännischen Kompetenzen findest du in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Was sagen Teilnehmer aus dem Kurs?

“Ich bin nach dem WFW in die Assistenz bei einem Mittelständler gegangen. Nach drei Jahren wurde ich Leiter Organisation mit 25 Prozent mehr Gehalt. Die Assistenzzeit war die beste berufliche Investition.” Oder: “Ich habe in der Assistenz gesehen, wie ein Unternehmen wirklich geführt wird. Das hätte ich nie in Fachabteilungen gelernt.”

Was in der Beratungspraxis oft zu hören ist: die Assistenz der Geschäftsführung ist ein Karriere-Beschleuniger, aber nur, wenn du die Rolle ernst nimmst. Wer sie als Sekretariat mit besserem Titel versteht, verpasst die Chance.

Was nicht zur Rolle passt

Die Assistenz ist nicht für jeden. Drei Typen, die oft unglucklich werden.

  1. Wer feste Routinen braucht. Der Tag in der Assistenz wechselt ständig.
  2. Wer nicht gern improvisiert. Geschäftsführer ändern Prioritäten kurzfristig, und du musst mit.
  3. Wer Fachspezialisierung sucht. In der Assistenz wechselst du Themen ständig. Wer sich auf ein Thema fokussieren will, gehört in eine Fachabteilung.

Wenn du eher ein strukturierter, fachlich tiefer Mensch bist, passt Controlling oder Einkauf oft besser. Siehe Wirtschaftsfachwirt im Controlling.

Typische Fragen

Ist die Assistenz ein “Frauenberuf”?

In der Praxis werden diese Rollen traditionell oft von Frauen besetzt, das ändert sich aber. Moderne Assistenzen sind geschlechtsneutral ausgeschrieben und besetzt. Das Gehaltsniveau hat sich in den letzten Jahren angepasst.

Ist diese Rolle für Familien gut vereinbar?

Kommt auf die Firma an. Bei familienfreundlichen Mittelständlern sehr gut möglich. Bei beraterisch oder verkaufsorientiert geführten Firmen oft schwierig durch Reisen und unplanbare Arbeitszeiten. Klären im Bewerbungsgespräch.

Brauche ich einen akademischen Titel?

Nicht zwingend. Der WFW reicht für den Mittelstand und viele Konzerntöchter. In großen Konzernen wird oft ein Bachelor erwartet, aber der WFW kann hier durch nachgewiesene Berufserfahrung kompensieren.

Wie wichtig ist die “Chemie” mit dem Chef?

Extrem wichtig. Diese Rolle funktioniert nur, wenn beide Seiten vertrauen. Ein Vorstellungsgespräch ist oft ein längeres Kennenlerngespräch, nicht nur eine fachliche Prüfung.

Welche Folgestellen sind typisch?

Bereichsleitung (Controlling, Organisation, HR), Prokurist, Geschäftsführer Tochtergesellschaft. Bei internem Wachstum einer Firma auch CFO oder COO in Mittelständlern. Siehe Welche Führungsebenen sind realistisch erreichbar.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Er ist promovierter Wirtschaftspädagoge und arbeitet seit über zehn Jahren in Erwachsenenbildung und Digitalisierung. In seinen Wirtschaftsfachwirt-Kursen begleitet er Berufstätige durch die Weiterbildung und berat zu Karrierewegen danach. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 23. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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