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Wirtschaftsfachwirt berufsbegleitend

Aufstiegs-BAföG: 50 Prozent Zuschuss plus 50 Prozent Darlehen erklärt

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Frau am Schreibtisch mit Notizblock und Taschenrechner, berechnet Förderanteile, neben ihr aufgeklappte Formulare

Aufstiegs-BAföG teilt die Kurskosten für den Wirtschaftsfachwirt in zwei Hälften. Eine Hälfte (50 Prozent) bekommst du als Zuschuss, die musst du nie zurückzahlen. Die andere Hälfte (50 Prozent) ist ein Darlehen über die KfW-Bank, das während der Fortbildung und zwei Jahre danach zins- und tilgungsfrei ist. Von diesem Darlehen werden dir bei bestandener Prüfung nochmal 50 Prozent erlassen. Was am Ende übrig bleibt, sind 25 Prozent der ursprünglichen Kurskosten.

Diese zweiteilige Struktur wird oft falsch verstanden. Manche denken, das Aufstiegs-BAföG ist ein reiner Zuschuss. Andere halten es für einen Kredit wie jeden anderen. Beides ist falsch. Die Kombination aus Zuschuss und anfangs zinsfreiem Darlehen macht die Förderung so attraktiv.

Was genau ist der Zuschuss-Anteil?

Der Zuschuss-Anteil sind 50 Prozent der Kurskosten, die dir das BAföG-Amt direkt schenkt. Bei 3.997 Euro Kurskosten sind das 1.998,50 Euro. Du musst dieses Geld nicht zurückzahlen, unabhängig davon, ob du die Prüfung bestehst oder durchfällst.

Bedingung für den Zuschuss: Du musst regelmäßig am Kurs teilnehmen. Wer die regelmäßige Teilnahme nicht nachweist, muss die erhaltenen Leistungen erstatten; wer aus wichtigem Grund abbricht und bis dahin regelmäßig teilgenommen hat, erstattet den Maßnahmebeitrag nur, soweit die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren noch nicht fällig geworden sind (§ 16 Abs. 3 AFBG). In der Praxis spielt das keine Rolle, weil alle Teilnehmer selbstverständlich den Kurs besuchen. Aber formal ist die Teilnahme eine Voraussetzung.

Den Zuschuss überweist dir das Amt auf dein Konto. Bis 5.000 Euro kann es ihn in einem Betrag zahlen (§ 24 Abs. 1 AFBG), der Zuschuss beim Wirtschaftsfachwirt liegt mit 1.998,50 Euro darunter. Die Kursgebühr zahlst du dann an den Bildungsträger.

Was ist das KfW-Darlehen?

Die zweite Hälfte der Kurskosten, ebenfalls 1.998,50 Euro bei einem 3.997-Euro-Kurs, ist ein Darlehen über die KfW-Bank. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) ist eine staatliche Förderbank. Für Aufstiegs-BAföG zahlt sie das Darlehen aus und verwaltet die Rückzahlung.

Zentraler Punkt: Während des gesamten Lehrgangs ist das Darlehen zins- und tilgungsfrei. Danach läuft eine Karenzzeit von zwei Jahren, in der weiter keine Zinsen anfallen und du noch nichts zurückzahlst (§ 13 Abs. 3 AFBG). Erst danach beginnt die Rückzahlungsphase.

Nach Ablauf der Karenzzeit werden Zinsen fällig. Der Zinssatz ist variabel: 6-Monats-EURIBOR plus 1 Prozentpunkt, ab Beginn der Rückzahlungspflicht zuzüglich eines Risikozuschlags von bis zu 0,7 Prozentpunkten (§ 13 Abs. 2 AFBG). Ab Rückzahlungsbeginn kannst du auf Wunsch einen Festzins vereinbaren. Den aktuellen Satz nennt die KfW zu Aufstiegs-BAföG.

Wie funktioniert der Darlehenserlass bei bestandener Prüfung?

Bei bestandener Prüfung werden dir 50 Prozent des Darlehens erlassen. Von 1.998,50 Euro Darlehen werden dir 999,25 Euro geschenkt. Das Rest-Darlehen beträgt dann nur noch 999,25 Euro, das zahlst du in Raten über die KfW zurück.

Der Erlass ist kein Automatismus. Du musst ihn beantragen, sobald dein IHK-Prüfungszeugnis vorliegt. Das geht bei der KfW, am schnellsten im Online-Kreditportal unter „Leistungserlass beantragen“ mit dem Prüfungszeugnis als PDF. Über den Antrag entscheidet die KfW (§ 13b Abs. 1 und 4 AFBG).

Was viele nicht wissen: Der Erlass gilt auch, wenn du erst im zweiten Anlauf bestehst. Wenn du die WBQ beim ersten Anlauf bestehst und die HSQ erst beim zweiten, zählt am Ende die bestandene Fortbildungsprüfung. Erlassen wird die Hälfte des Darlehens, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht fällig geworden ist (§ 13b Abs. 1 AFBG).

Die komplette Rechnung für 3.997 Euro Kurskosten

PostenBetrag
Gesamtkurskosten3.997,00 Euro
Zuschuss (50 %)1.998,50 Euro
Darlehen (50 %)1.998,50 Euro
Darlehenserlass bei Bestehen (50 % des Darlehens)999,25 Euro
Rest-Darlehen zur Rückzahlung999,25 Euro
Effektiver Eigenanteil nach Bestehen999,25 Euro (rund 1.000 Euro)

Die 999,25 Euro sind nicht sofort zu zahlen, sondern werden nach der Karenzzeit in monatlichen Raten von grundsätzlich 128 Euro einschließlich Zinsen abgestottert, das sind rund acht Raten. Eine Belastung, die nach dem ersten Gehaltssprung kaum noch spürbar ist.

Wann wird das Darlehen zurückgezahlt?

Nach Ablauf der Karenzzeit beginnt die Rückzahlung. Die Karenzzeit beträgt zwei Jahre ab dem Ende der Maßnahme (§ 13 Abs. 3 AFBG). Den genauen Beginn der Rückzahlung legt das zuständige Förderamt fest; wann die Karenzzeit beginnt und endet, steht in Ziffer 1.2.2 deines KfW-Darlehensvertrags.

Die Monatsrate beträgt grundsätzlich mindestens 128 Euro einschließlich Zinsen (§ 13 Abs. 5 AFBG). Wer wenig verdient, etwa in Elternzeit, kann bei der KfW eine Freistellung von der Rückzahlung beantragen, soweit das Einkommen die Grenze nach § 18a BAföG nicht übersteigt; für Alleinstehende sind das 1.690 Euro im Monat (§ 13a AFBG, § 18a Abs. 1 BAföG). Auch die komplette Rückzahlung auf einmal ist möglich, dann sparst du die restlichen Zinsen. Die Gesamtlaufzeit der Rückzahlung beträgt maximal zehn Jahre.

Was ist der Unterschied zum Studenten-BAföG?

Drei fundamentale Unterschiede, die für die Einordnung wichtig sind:

Erstens: Einkommensprüfung. Studenten-BAföG prüft dein Einkommen und das deiner Eltern. Aufstiegs-BAföG prüft bei den Kurskosten nichts davon. Nur beim (selten beantragten) Unterhaltsbeitrag wird dein eigenes Einkommen einbezogen.

Zweitens: Altersgrenze. Studenten-BAföG hat eine Altersgrenze (45 Jahre). Aufstiegs-BAföG hat keine. Mit 58 bekommst du die Förderung genauso wie mit 25.

Drittens: Rückzahlungshöhe. Beim Studenten-BAföG wird maximal die Hälfte der Förderung zurückgezahlt, gedeckelt bei 10.010 Euro. Beim Aufstiegs-BAföG ist der zurückzuzahlende Betrag deutlich niedriger (bei Bestehen nur 25 Prozent der ursprünglichen Kurskosten).

Wo zahle ich das Rest-Darlehen zurück?

An die KfW-Bank. Deinen Tilgungsplan schickt dir die KfW vier Wochen vor Beginn der Rückzahlung. Die Raten gehen dann automatisch per SEPA-Lastschrift von deinem Konto ab, an die KfW.

Wer früher zurückzahlen will, kann das ohne Sondertilgungsgebühren. Wer wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Elternzeit wenig verdient, kann bei der KfW eine Freistellung beantragen (§ 13a AFBG). Eine faire Regelung, die viele andere Kredite nicht haben.

Was passiert bei Nichtbestehen der Prüfung?

Kein Erlass des Darlehens. Du zahlst das komplette Darlehen zurück, also 1.998,50 Euro statt 999,25 Euro. Der Zuschuss-Anteil bleibt dir trotzdem. Bei einer Wiederholungsprüfung und dann bestandener Prüfung bekommst du den Erlass nachträglich, und zwar auf den Teil des Darlehens, der dann noch nicht fällig geworden ist (§ 13b Abs. 1 AFBG). Was bei Durchfallen sonst zu tun ist, steht im Beitrag Wenn du durchfällst: Wiederholungsprüfung organisieren.

Was ist mit den Prüfungsgebühren der IHK?

Wichtig für die Gesamtrechnung: Das Aufstiegs-BAföG fördert die Lehrgangs- und die Prüfungsgebühren (§ 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AFBG), auch für die IHK-Prüfungsgebühr gilt also die Aufteilung in Zuschuss und Darlehen. Der Förderbetrag für die Prüfungsgebühr wird erst bei Fälligkeit und gegen Vorlage der Rechnung oder des Gebührenbescheids ausgezahlt, bis zu zwei Jahre nach Ende der Maßnahme (§ 24 Abs. 1 Satz 4 AFBG).

Plane die Prüfungsgebühren daher in deiner Rechnung mit ein. Die vollständige Rechnung mit allen Posten findest du im Artikel Eigenanteil nach Aufstiegs-BAföG.

FAQ

Ist das Darlehen wirklich komplett zinsfrei während der Weiterbildung? Ja. Während des Lehrgangs und in der zweijährigen Karenzzeit danach fallen keine Zinsen an (§ 13 Abs. 3 AFBG). Erst mit Beginn der Rückzahlung werden Zinsen fällig.

Muss ich mich für den Zuschuss oder das Darlehen separat entscheiden? Über die Aufteilung nicht: Die 50/50-Aufteilung ist festgelegt und nicht verhandelbar (§ 12 Abs. 1 AFBG). Über das Darlehen schon: Den Darlehensvertrag schließt die KfW nur, wenn du ihn innerhalb von drei Monaten nach dem Bescheid verlangst (§ 12 Abs. 4, § 13 Abs. 1 AFBG).

Kann ich das Darlehen ablehnen und nur den Zuschuss nehmen? Ja. Du beantragst das komplette Aufstiegs-BAföG, der Darlehensvertrag mit der KfW kommt aber nur zustande, wenn du ihn verlangst, auf Wunsch auch über einen geringeren Betrag (§ 13 Abs. 1 AFBG). Wer das Darlehen schon hat, kann es jederzeit vorzeitig zurückzahlen, das kostet nichts extra.

Wie lange dauert die Rückzahlung? Höchstens zehn Jahre (§ 13 Abs. 5 AFBG), wie lange genau, hängt von der Darlehenshöhe ab. Bei 999,25 Euro Restdarlehen und der Rate von grundsätzlich 128 Euro einschließlich Zinsen sind es rund acht Monate. Wer mehr zahlt, ist schneller fertig.

Was passiert, wenn ich während der Rückzahlungsphase arbeitslos werde? Du kannst bei der KfW eine Freistellung von der Rückzahlung beantragen, soweit dein Einkommen die Grenze nach § 18a BAföG nicht übersteigt; für Alleinstehende sind das 1.690 Euro im Monat (§ 13a AFBG, § 18a Abs. 1 BAföG). Die Freistellung gibt es längstens fünf Jahre. Wer ein Kind unter 14 erzieht, ein behindertes Kind betreut oder einen nahen Angehörigen ab Pflegegrad 3 pflegt, kann bei geringem Einkommen außerdem die Stundung nach § 13b Abs. 3 AFBG beantragen.

Muss ich die Erlass-Bescheinigung selbst beantragen? Ja, bei der KfW, am schnellsten im Online-Kreditportal, mit dem IHK-Prüfungszeugnis (§ 13b Abs. 1 AFBG). Ohne Antrag gibt es keinen Erlass automatisch.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von Skill-Sprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Promovierter Wirtschaftspädagoge, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Berufstätige, die den Wirtschaftsfachwirt oder die KI-Weiterbildung angehen. Er begleitet wöchentlich Menschen, die neben dem Job den nächsten Karriereschritt machen wollen. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 23. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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