Wirtschaftsfachwirt Bremen: 1.300 Euro Aufstiegsprämie
Bremen zahlt seit dem 1. März 2025 noch 1.300 Euro Aufstiegsfortbildungs-Prämie. Vorher waren es 4.000 Euro. Wenn dir jemand heute noch von 4.000 Euro erzählt, ist das veraltet. Die neue Prämie ist niedriger, aber immer noch da und WFW-fähig.
Das heißt: Wer in Bremen gemeldet ist und den Wirtschaftsfachwirt bei einer IHK besteht, bekommt 1.300 Euro Landesförderung zusätzlich zum bundesweiten Aufstiegs-BAföG. Hier liest du die volle Rechnung, die Antragsregeln und welche Stolperfallen es gibt.
Warum wurde die Bremer Prämie gekürzt?
Bis Ende Februar 2025 war Bremen mit 4.000 Euro das Bundesland mit der höchsten Aufstiegsprämie überhaupt. Mit dem Doppelhaushalt des Bremer Senats für 2025/2026 wurde die Prämie auf 1.300 Euro reduziert. Begründung war die angespannte Haushaltslage des Landes.
Für dich als Antragsteller heißt das zwei Dinge:
- Wer vor dem 1. März 2025 die Prüfung bestanden hat, hatte noch Anspruch auf 4.000 Euro. Ab 1. März 2025 gelten 1.300 Euro.
- Die Prämie ist gekürzt, aber nicht abgeschafft. Andere Bundesländer wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein zahlen gar nichts mehr. Insofern ist Bremen noch im Mittelfeld.
In meinen Beratungsgesprächen sehe ich regelmäßig, dass Teilnehmer auf alte Blogartikel oder IHK-Infoblätter stoßen, die noch von 4.000 Euro sprechen. Prüf vor der Anmeldung immer den aktuellen Stand direkt bei der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, die den Antrag annimmt und bewilligt.
Wer bekommt die Bremer Aufstiegsfortbildungs-Prämie?
Anspruchsberechtigt bist du, wenn dein Hauptwohnsitz oder der Ort deiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bei der Feststellung des Prüfungsergebnisses seit mindestens sechs Monaten im Land Bremen liegt. Das Land Bremen umfasst die Städte Bremen und Bremerhaven. Beide Stadtgemeinden fallen unter dieselbe Regelung.
Folgende Punkte muss du erfüllen:
- Hauptwohnsitz oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Bremen oder Bremerhaven, bei der Feststellung des Prüfungsergebnisses seit mindestens sechs Monaten
- Bestandene Aufstiegsfortbildung auf DQR-Niveau 6 oder 7
- Antrag spätestens sechs Monate nach dem Datum des Abschlusszeugnisses (Ausschlussfrist)
- Erstmalige Beantragung (keine Mehrfachförderung für denselben Abschluss)
Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ist DQR-Niveau 6 und damit anspruchsberechtigt. Genauso wie Industriefachwirt, Handelsfachwirt, Technischer Fachwirt, Bilanzbuchhalter oder Handwerksmeister.
Wie hoch ist die Prämie und was bleibt netto?
Die Prämie ist eine einmalige Zahlung von 1.300 Euro nach bestandener Prüfung. Ob diese Prämie einkommensteuerpflichtig ist, haben wir für dieses Land nicht belegt, frag vorher dein Finanzamt.
Die Rechnung für den Wirtschaftsfachwirt sieht in Bremen so aus:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Kurskosten Wirtschaftsfachwirt | 3.997 Euro |
| Aufstiegs-BAföG Zuschuss (50 Prozent) | -1.998,50 Euro |
| Darlehen nach Bestehen (50 Prozent Erlass) | -999,25 Euro |
| Realer Eigenanteil nach AFBG | ca. 999 Euro |
| Bremer Aufstiegsprämie | -1.300 Euro |
| Netto-Gewinn durch die Weiterbildung | +301 Euro |
Unter dem Strich zahlst du in Bremen netto nichts für den Wirtschaftsfachwirt, sondern bekommst sogar einen kleinen Überschuss. Das war vor der Kürzung mit 4.000 Euro Prämie natürlich attraktiver (minus 3.001 Euro Gewinn), ist aber auch heute noch eine solide Ausgangslage.
Wie beantragst du die Prämie?
Zuständig für Beratung, Antragsannahme und Bewilligung ist die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration in Bremen; sie kann einen Dritten mit dem Verfahren beauftragen. Ausgezahlt wird auf das Konto, das du im Antrag angibst. Ablauf:
- IHK-Zeugnis abwarten (schriftliches Original oder beglaubigte Kopie).
- Die Informationen zum Antrag stellt die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration auf ihrer Website bereit.
- Antrag ausfüllen und die Nachweise beilegen: Prüfungszeugnis und eine erweiterte Meldebescheinigung oder, wenn du außerhalb wohnst, einen Beschäftigungsnachweis deines Arbeitgebers.
- Antrag bei der Senatorin oder dem von ihr beauftragten Dritten einreichen, erst wenn das Prüfungszeugnis ausgestellt ist: Anträge davor werden nicht berücksichtigt.
Die Sechs-Monats-Frist ist wichtig. Trägt dein Abschlusszeugnis das Datum 15. April 2026, muss der Antrag spätestens am 15. Oktober 2026 gestellt sein. Später eingereichte Anträge werden abgelehnt, auch wenn alle Unterlagen vollständig sind.
Was gilt bei Umzug und Wohnsitz?
Entscheidend ist, wo du bei der Feststellung des Prüfungsergebnisses seit mindestens sechs Monaten wohnst oder sozialversicherungspflichtig arbeitest. Das heißt konkret:
- Wer kurz vor der Prüfung aus Bremen wegzieht, behält den Anspruch nur, wenn er seit mindestens sechs Monaten in Bremen sozialversicherungspflichtig arbeitet.
- Wer erst zwei Monate vor der Prüfung nach Bremen zieht, erfüllt die sechs Monate über den Wohnsitz nicht; Anspruch hat er dann nur über eine Beschäftigung in Bremen seit mindestens sechs Monaten.
- Nach der Prüfung darfst du umziehen wohin du willst, der Anspruch auf die Prämie bleibt bestehen.
Ein Zweitwohnsitz in Bremen reicht allein nicht. Pendler aus Oldenburg, Delmenhorst oder Verden sind dagegen anspruchsberechtigt, wenn sie seit mindestens sechs Monaten im Land Bremen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.
Was gilt bei Wiederholungsprüfungen?
Wenn du im ersten Anlauf durchfällst und im Zweitversuch bestehst, zählt das Datum der bestandenen Prüfung. Die Sechs-Monats-Frist läuft ab dem Datum des Abschlusszeugnisses. Kein zusätzlicher Aufwand, keine Sonderregel.
Was allerdings wichtig ist: Wer nur einen Teil der Prüfung bestanden hat (zum Beispiel die WBQ, aber die HSQ offen) und den Gesamtabschluss noch nicht hat, kann die Prämie noch nicht beantragen. Bremen fördert nur das vollständig bestandene Gesamtzeugnis, nicht Teilabschlüsse.
FAQ
Stimmt es, dass Bremen früher 4.000 Euro zahlte?
Ja, das ist richtig. Bis zum 28. Februar 2025 lag die Bremer Aufstiegsprämie bei 4.000 Euro und war damit die höchste in Deutschland. Seit 1. März 2025 sind es 1.300 Euro. Wer die Prüfung davor bestanden und den Antrag rechtzeitig gestellt hat, bekam noch die höhere Summe.
Kann ich die Prämie mit dem Aufstiegs-BAföG kombinieren?
Ja, selbstverständlich. Die Bundesförderung (AFBG) und die Landesförderung sind unabhängig voneinander und werden beide gewährt. Auch die Begabtenförderung berufliche Bildung lässt sich dazu kombinieren, wenn du die entsprechenden Voraussetzungen erfüllst.
Muss ich in Bremen geboren sein?
Nein. Entscheidend sind Hauptwohnsitz oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Land Bremen, bei der Feststellung des Prüfungsergebnisses seit mindestens sechs Monaten. Wo du geboren bist, spielt keine Rolle.
Ist die Prämie steuerfrei?
Ob diese Prämie einkommensteuerpflichtig ist, haben wir für dieses Land nicht belegt, frag vorher dein Finanzamt.
Was ist, wenn ich während der Weiterbildung umziehe?
Maßgeblich ist der Stand bei der Feststellung des Prüfungsergebnisses: Hauptwohnsitz oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung müssen dann seit mindestens sechs Monaten im Land Bremen liegen. Bremerhaven und Bremen-Stadt zählen beide, ein Umzug innerhalb des Landes ist unproblematisch.
Fazit: Bremen bleibt WFW-förderfähig, nur nicht mehr als Spitzenreiter
Mit 1.300 Euro Aufstiegsprämie deckt Bremen immer noch den realen Eigenanteil nach AFBG ab. Für die Entscheidung “Wirtschaftsfachwirt ja oder nein” ist die Prämie kein Dealbreaker, aber ein sauberer Zuschuss. Wie sich die Förderung konkret in deiner AFBG-Rechnung niederschlägt, siehst du in unserem Detailartikel. Wer in mehreren Bundesländern antragsberechtigt wäre, sollte auch einen Blick auf die Bundesländer ohne Prämie werfen, um die Unterschiede einzuordnen.
Offizielle Informationen findest du bei der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration in Bremen und zum Aufstiegs-BAföG auf aufstiegs-bafoeg.de.
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Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Wirtschaftspädagoge mit über zehn Jahren Erfahrung in beruflicher Bildung und Digitalisierung. Er begleitet Wirtschaftsfachwirt-Teilnehmer persönlich durch die 12 Monate der Weiterbildung und berät zu Förderfragen.
Zuletzt geprüft am 23.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.
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