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Wirtschaftsfachwirt berufsbegleitend

Wirtschaftsfachwirt mit Kind: ehrliche Erfahrungen

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Elternteil lernt abends am Küchentisch mit Laptop, im Hintergrund eine Kinderzeichnung am Kühlschrank

Der Wirtschaftsfachwirt mit Kind ist machbar, aber er kostet. Nicht nur Zeit, auch Familienenergie, Partnerschafts-Absprachen und ehrliche Gespräche über Erwartungen. Wer das vorher nicht klärt, scheitert nicht am Stoff, sondern am Alltag.

In meinen Kursen sitzen regelmäßig Eltern mit einem oder zwei Kindern. Die, die durchkommen, haben eines gemeinsam: der Partner war vor der Anmeldung informiert und hat wirklich mitgezogen. Die, die abbrechen, scheitern fast immer an unausgesprochenen Konflikten zu Hause.

Was realistisch auf dich zukommt

Zwei Abende pro Woche fehlst du beim Einschlafritual. Von Dienstag 18 Uhr bis 21 Uhr bist du am Rechner, gleiches Donnerstag. Das sind etwa 90 Abende über elf Monate, an denen du beim Zubettgehen der Kinder nicht dabei bist.

Dazu kommen acht bis zwölf Stunden Selbststudium pro Woche. Der Großteil davon fällt auf Samstagvormittag (vier Stunden) und Sonntagvormittag (zwei bis drei Stunden). Das sind Familienzeiten, die anders gefüllt werden müssen.

BelastungKonkret für Eltern
UnterrichtsabendeDienstag und Donnerstag 18 bis 21 Uhr, kein Einschlafritual
SamstagvormittagHauptlernblock, Partner übernimmt Kinder
SonntagvormittagWiederholungsblock, gegebenenfalls früh aufstehen
PrüfungsphaseLetzte 8 Wochen deutlich mehr Lernzeit, weitere Blöcke am Wochenende

Details zur Zeitverteilung findest du im Artikel zu den Wochenstunden.

Warum die ersten drei Monate die härtesten sind

Die erste Woche fühlt sich überschaubar an. Ab Woche drei oder vier kommt die Erkenntnis: Das ist kein Zusatz, das ist ein zweiter Job. Die Kinder merken, dass du abwesender bist. Der Partner merkt, dass mehr auf ihn zukommt. Du selbst merkst, dass die Wochenenden sich anders anfühlen.

In Monat zwei bis drei kommt die erste größere Krise. Viele Eltern fragen sich in dieser Phase, ob sie aufhören sollen. Die Antwort ist in der Regel: Durchhalten, der Rhythmus stellt sich ein. Ab Monat vier läuft es für die meisten runder, weil Familie und Eltern sich an die neue Normalität gewöhnt haben.

Was hilft: Vorher wissen, dass diese Krise kommt. Dann überrascht sie nicht.

Welche Gespräche du vorher führen musst

Drei Gespräche sind entscheidend, bevor du dich anmeldest:

Mit dem Partner. Nicht “Ich denke darüber nach, den WFW zu machen, wäre das okay?”, sondern konkret: “Ich werde elf Monate zwei Abende pro Woche weg sein, Samstagvormittag vier Stunden lernen, Sonntagvormittag zwei Stunden. Wie organisieren wir das?” Wenn dein Partner zögert oder unklar bleibt, ist das das wichtigste Gespräch vor der Anmeldung.

Mit den Kindern, wenn sie alt genug sind. Ab Grundschulalter verstehen Kinder das Konzept Weiterbildung. Erklär ihnen, was du machst, wie lange, und warum. “Papa lernt elf Monate, dann mache ich eine Prüfung, und danach habe ich einen neuen Titel. In der Zeit muss ich abends zweimal pro Woche in eine Art Schule.” Kinder gehen besser mit Veränderungen um, wenn sie sie verstehen.

Mit dem Arbeitgeber. Nicht um Erlaubnis zu fragen. Aber um klar zu machen, dass Dienstag und Donnerstag ab 17:30 fest belegt sind. Überstunden in der Prüfungsphase sind kritisch. Ein guter Vorgesetzter unterstützt das, ein schlechter macht es schwer. Mehr dazu im Artikel Arbeitgeber-Kommunikation.

Drei Situationen, auf die du dich einstellen musst

Kind wird krank am Dienstagabend. Das passiert. Wer übernimmt den Unterricht? Wer betreut das Kind? Wenn du immer die Notfallperson warst, wird das schwer. Die Lösung ist vorher festzulegen: Dienstag und Donnerstag abends ist der Partner zuständig, auch bei Krankheit.

Elternabend oder Schulaufführung an einem Unterrichtsabend. Das kommt alle paar Monate vor. Für wichtige Termine fällt dann ein Unterrichtsabend aus. Du schaust die Aufzeichnung, wenn verfügbar. Dreimal pro Jahr unkritisch, häufiger wird es kritisch.

Dein Partner hat eigene Pläne am Samstagvormittag. Viele Konflikte entstehen, weil der Partner annimmt, der Samstagvormittag sei immer frei für gemeinsame Unternehmungen. Wenn du ab jetzt konsequent Samstagvormittag lernst, ist das eine Veränderung, die klar kommuniziert werden muss. Sonst gibt es Frust.

Was du nicht machen solltest

Drei typische Fehler, die ich bei Eltern in meinen Kursen sehe:

Nicht versuchen, Lernzeit und Kinderbetreuung zu parallelisieren. “Ich lerne, während die Kinder fernsehen” funktioniert fünf Minuten, dann kommt die erste Frage. Lernzeit ist Lernzeit, Kinderzeit ist Kinderzeit. Beides gleichzeitig ist halbe Qualität auf beiden Seiten.

Nicht das schlechte Gewissen treiben lassen. Viele Eltern lernen während der Kinder schlafen bis Mitternacht, weil sie tagsüber das schlechte Gewissen plagt. Das führt zu Schlafmangel und Erschöpfung. Besser: klarer Block am Samstagvormittag, klare Familienzeit am Nachmittag, kein Herumdoktern unter der Woche.

Nicht aufhören, wenn es nur an der Erschöpfung liegt. Wer in Monat drei oder vier kurz vor dem Abbruch steht, sollte erst eine Woche Urlaub nehmen, bevor die Entscheidung fällt. Oft ist das Thema nicht der WFW, sondern Schlafmangel und Überforderung. Eine Woche Pause hilft mehr als das Aufgeben.

Was Eltern brauchen, damit es funktioniert

Aus der Praxis: Drei Bedingungen müssen stimmen.

Ein Partner, der wirklich mitträgt. Nicht “ich unterstütze dich irgendwie”, sondern “ich übernehme Dienstag und Donnerstag das Abendritual, und ich bin Samstagvormittag vier Stunden allein mit den Kindern”. Das muss klar sein.

Eine funktionierende Kinderbetreuung. Kita oder Schule, dazu Notfallplan bei Krankheit. Wenn die Kinderbetreuung instabil ist, wird der WFW zu einer Dauerkrise.

Ein Arbeitgeber, der berechenbar ist. Wer regelmäßig Überstunden ohne Vorankündigung machen muss, hat keine Chance, die Unterrichtsabende zuverlässig zu halten.

Wenn eine dieser drei Bedingungen nicht erfüllt ist, verschieb die Anmeldung lieber. Ein Jahr später kann die Situation anders aussehen.

Alleinerziehend und WFW

Alleinerziehende schaffen den WFW, aber die Planung muss noch präziser sein. Wer abends keine zweite Person im Haushalt hat, braucht einen Plan für die Kinderbetreuung von 18 bis 21 Uhr an Dienstag und Donnerstag. Optionen:

  • Großeltern, wenn verfügbar und zuverlässig
  • Bezahlte Kinderbetreuung an den Unterrichtsabenden
  • Tauschnetzwerke mit anderen Eltern (du nimmst die Kinder am Wochenende, sie helfen dir am Dienstag)

Der finanzielle Aspekt ist nicht trivial. 24 bis 30 Stunden pro Monat bezahlte Betreuung sind schnell 300 bis 400 Euro. Das sollte in die Gesamtrechnung zum WFW-Eigenanteil einfließen.

Wenn die Familie leidet

Ein Warnsignal: Wenn du merkst, dass die Beziehung zum Partner sich deutlich verschlechtert oder die Kinder sich zurückziehen, ist das wichtiger als der WFW. Der Abschluss bringt dir nichts, wenn die Familie danach zerbricht.

In dem Fall hilft ein offenes Gespräch. Manchmal ist eine Pause die richtige Entscheidung. Der WFW lässt sich pausieren und später fortsetzen, auch wenn das mit Mehrkosten verbunden ist. Details dazu im Artikel zu WFW pausieren. Körperliche oder seelische Warnsignale gehören nicht zu dir selbst, sondern in die Hände einer Fachperson: Hausarzt oder Psychotherapeut. Siehe auch Burnout-Warnsignale.

Erste Schritte zur Planung

Bevor du dich anmeldest, setz dich mit deinem Partner an einen Kaffee und geh den Wochenplan gemeinsam durch. Trag zwei Abende Unterricht ein, den Samstagvormittagsblock, den Sonntagsblock. Schau, was übrig bleibt. Wenn ihr beide sagt, “das probieren wir”, passt es. Wenn einer zögert, wartet lieber.

Mach auch das WFW-Eignungs-Quiz, um deine Gesamtsituation einzuschätzen. Für den Überblick über den gesamten Kurs empfehle ich die Seite Wirtschaftsfachwirt im Detail.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter der Kinder geht der WFW realistisch?

Ab Kindergartenalter ist er machbar, wenn der Partner mitzieht. Mit Kindern unter zwei Jahren wird es eng, weil Schlaf und Belastung noch stark am Eltern-Grundstück zehren. Mit Schulkindern ist die Planung einfacher, weil ein Teil der Kinder abends schon selbstständiger ist.

Wie erklärt man einem Grundschulkind elf Monate Weiterbildung?

“Ich lerne gerade für eine Prüfung, wie du in der Schule. Nur abends, nach der Arbeit. In ungefähr einem Jahr habe ich eine Prüfung, die dauert ein paar Tage, und dann bin ich fertig.” Viele Kinder finden es interessant, wenn sie eingebunden werden (“Welche Aufgabe machst du heute?”). Manche Eltern lernen bewusst mit dem Kind am Tisch: Du an deiner Prüfung, Kind an den Hausaufgaben.

Was, wenn ich schwanger werde oder das zweite Kind kommt?

Dann ist eine Pause des Kurses meist die bessere Entscheidung. Zwei Wochen Mutterschutz und Elternzeit und die ersten Monate mit einem Säugling sind nicht mit WFW-Lernzeit vereinbar. Die meisten Anbieter lassen eine Pause von sechs bis zwölf Monaten zu. Gegebenenfalls fallen geringe Verwaltungskosten an.

Sollte ich lieber warten, bis die Kinder älter sind?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Manche Eltern machen den WFW gerade weil die Kinder klein sind und der Rhythmus noch nicht von Schulvereinen und Vereinssport geprägt ist. Andere warten bewusst, bis die Kinder ins Gymnasium wechseln. Beides kann funktionieren. Entscheidend ist die konkrete Lebenssituation, nicht das Alter der Kinder.

Ist es fair gegenüber den Kindern?

Das ist eine wichtige Frage, die du dir ehrlich beantworten musst. Elf Monate mit reduzierter Elternpräsenz sind real. Aber auch real ist: Kinder lernen durch Vorbild. Eltern, die sich weiterbilden, sind für Kinder oft inspirierend. Wenn die Weiterbildung zu einer dauerhaften Verbesserung der Familiensituation führt (mehr Gehalt, bessere Arbeitszeiten, weniger Zukunftsdruck), zahlt sich das auch für die Kinder aus. Wenn sie nur aus Eigennutz und Stress gemacht wird, ohne klare Perspektive, dann eher nicht.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Promovierter Naturwissenschaftler mit über zehn Jahren Erfahrung in beruflicher Bildung und Digitalisierung. Mehr dazu auf der Seite Über den Autor.

Zuletzt geprüft am 23.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.

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Drei Tools für deine Entscheidung

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