Lebenshaltungskosten während der Weiterbildung: AFBG-Zuschuss zum Unterhalt
Aufstiegs-BAföG bietet neben dem Zuschuss auf die Kurskosten auch einen Unterhaltsbeitrag für Teilnehmer, die die Weiterbildung in Vollzeit absolvieren (§ 10 Abs. 2 AFBG). Für den berufsbegleitenden Wirtschaftsfachwirt gibt es diesen Unterhaltsbeitrag nicht, weil der Kurs in Teilzeit läuft. Daran ändert auch eine Auszeit oder ein Wechsel in Teilzeitarbeit nichts, entscheidend ist die Form der Maßnahme, nicht deine Arbeitszeit.
Die Höhe des Unterhaltsbeitrags ist einkommensabhängig. Bei niedrigem Einkommen und Vollzeit-Förderung können monatlich bis zu 882 Euro plus Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag und weitere Zuschläge fließen.
Wer bekommt den Unterhaltsbeitrag?
Die Grundregel: Der Unterhaltsbeitrag gilt für Teilnehmer in Vollzeitmaßnahmen. Das heißt:
- In der Regel an vier Werktagen je Woche mindestens 25 Unterrichtsstunden, in Präsenz oder live online (§ 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 und Abs. 4 AFBG)
- Mindestens 400 Unterrichtsstunden, abgeschlossen innerhalb von 36 Kalendermonaten
Für unseren berufsbegleitenden Wirtschaftsfachwirt (zwei Abende pro Woche, Di und Do von 18 bis 21 Uhr) gilt das nicht. Der Kurs läuft in Teilzeitform, deshalb gibt es dafür keinen Unterhaltsbeitrag (§ 10 Abs. 2 AFBG).
Warum lohnt sich der Unterhaltsbeitrag trotzdem zu kennen?
Drei Szenarien, in denen die Frage aufkommt:
Szenario 1: Auszeit-Modell. Wer bewusst eine mehrmonatige berufliche Auszeit nimmt, um sich voll auf die Prüfungsvorbereitung zu konzentrieren, kann unter Umständen in eine Vollzeitmaßnahme wechseln. Das ist bei unserem Standard-Kurs nicht möglich, wäre aber bei einigen Intensiv-Präsenzformaten anderer Träger eine Option.
Szenario 2: Elternzeit und Weiterbildung. Wer parallel zur Elternzeit eine Weiterbildung macht, kann Unterhaltsbeitrag bekommen, wenn die Maßnahme in Vollzeitform läuft. Ob sie das tut, ergibt sich aus ihrer Fortbildungsdichte nach § 2 Abs. 3 AFBG, bei einem berufsbegleitenden Abendkurs also nicht.
Szenario 3: Wechsel in Teilzeitarbeit. Wer die Arbeitszeit reduziert (z.B. von 40 auf 20 Stunden), bekommt dadurch allein keinen Unterhaltsbeitrag. Die Weiterbildung bleibt eine Teilzeitmaßnahme, denn die Einstufung hängt an der Fortbildungsdichte der Maßnahme (§ 2 Abs. 3 AFBG).
Wie hoch ist der Unterhaltsbeitrag?
Die aktuellen Sätze beim Aufstiegs-BAföG (Stand Oktober 2026, Detail auf aufstiegs-bafoeg.de prüfen):
| Posten | Monatlicher Höchstsatz |
|---|---|
| Grundbetrag für Alleinstehende (442 + 380 + 60 Euro) | 882 Euro |
| Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag | zusätzlich, Höhe je nach Versicherung (§ 13a BAföG) |
| Zuschlag für Ehegatten/eingetragene Partner | zusätzlich 235 Euro |
| Zuschlag pro Kind mit Kindergeldanspruch | zusätzlich 235 Euro |
| Kinderbetreuungszuschlag (nur Alleinerziehende) | zusätzlich 150 Euro pro Kind |
Der Unterhaltsbeitrag wird mit allen Erhöhungsbeträgen in voller Höhe als Zuschuss geleistet, ebenso der Kinderbetreuungszuschlag (§ 12 Abs. 2 AFBG). Zurückzahlen musst du ihn nicht. Nur für die Prüfungsvorbereitungsphase nach dem letzten Unterricht gibt es ihn als Darlehen (§ 12 Abs. 3 AFBG).
Wie wird das Einkommen angerechnet?
Eigenes Einkommen und Vermögen (und bei Verheirateten das Einkommen des Ehegatten) wird auf den Unterhaltsbeitrag angerechnet (§ 10 Abs. 2 AFBG). Freibeträge und Abzugsregelungen sind komplex, im Groben gilt:
- Freibetrag für eigenes Einkommen: ein fester Monatsbetrag nach § 23 Abs. 1 BAföG, der jeweils zum 1. Januar neu berechnet wird
- Freibetrag für den Ehegatten: 850 Euro pro Monat vom eigenen Einkommen, vom Einkommen des Ehegatten selbst bleiben 1.690 Euro pro Monat frei (§ 23 Abs. 1 und § 25 Abs. 1 BAföG)
- Freibetrag pro Kind: 770 Euro pro Monat (§ 23 Abs. 1 BAföG)
Wer darunter liegt, bekommt den vollen Unterhaltsbeitrag. Wer darüber liegt, bekommt einen reduzierten Betrag oder gar nichts.
In der Praxis: Für die meisten Vollzeit-Teilnehmer, die ihren Job pausieren oder reduzieren, greift der Unterhaltsbeitrag. Für Berufstätige, die weiter Vollzeit arbeiten, meist nicht.
Was bedeutet das für berufsbegleitende Teilnehmer?
Praktisch: Keine Unterhaltsförderung, aber auch keine Notwendigkeit. Wer weiter Vollzeit arbeitet, hat sein normales Einkommen und muss nur die Kurskosten zusätzlich stemmen. Die übernimmt das AFBG zu 50 Prozent als Zuschuss, plus den Darlehens-Teil und Erlass bei Bestehen. Details im Artikel Aufstiegs-BAföG: 50 Prozent Zuschuss plus 50 Prozent Darlehen erklärt.
Der Unterhaltsbeitrag ist für Menschen gedacht, die sich die Zeit für eine Vollzeit-Weiterbildung nicht leisten könnten, ohne diese Unterstützung. Bei berufsbegleitender Weiterbildung entfällt dieser Bedarf.
Kinderbetreuungszuschlag: relevante Option
Ein Aspekt, der auch für berufsbegleitende Teilnehmer relevant werden kann: der Kinderbetreuungszuschlag.
Alleinerziehende, die mit Kindern unter 14 Jahren oder mit behinderten Kindern in einem Haushalt leben, bekommen einen Zuschlag von 150 Euro pro Monat pro Kind (§ 10 Abs. 3 AFBG). Dieser Zuschlag ist auch bei Teilzeitmaßnahmen möglich, wird als Zuschuss geleistet (§ 12 Abs. 2 AFBG) und kommt zusätzlich zu den üblichen Förderungen.
Der Zuschlag ist eine Pauschale, Betreuungskosten wie einen Babysitter musst du dafür nicht nachweisen. Paare bekommen ihn nicht, auch dann nicht, wenn beide erwerbstätig oder in Weiterbildung sind. Das Gesetz nennt nur Alleinerziehende.
Wie beantrage ich den Unterhaltsbeitrag?
Der Antrag läuft zusammen mit dem Haupt-AFBG-Antrag. Im Formblatt A ist eine Sektion für den Unterhaltsbeitrag vorgesehen. Du füllst dort deine Einkommens- und Familienverhältnisse aus, und das zuständige Amt prüft, ob und in welcher Höhe der Beitrag gewährt wird.
Nötige Unterlagen zusätzlich zum Haupt-Antrag:
- Angaben und Nachweise zu deinem Einkommen im Bewilligungszeitraum, also während der Maßnahme (§ 22 Abs. 1 BAföG)
- Wenn du verheiratet bist oder in eingetragener Lebenspartnerschaft lebst: Einkommensnachweise des Ehegatten oder Lebenspartners aus dem vorletzten Kalenderjahr vor Beginn des Bewilligungszeitraums (§ 24 Abs. 1 BAföG)
- Bei Kindern: Geburtsurkunden
Fristen und Bearbeitung
Den Unterhaltsbeitrag kannst du bis zum Ende der Maßnahme beantragen (§ 19 Abs. 1 AFBG), er wird aber frühestens ab dem Antragsmonat geleistet (§ 11 Abs. 3 AFBG). Stell den Antrag deshalb vor Kursbeginn, spätestens im Monat, in dem der Unterricht beginnt.
Bearbeitungszeit: erfahrungsgemäß 2 bis 4 Monate, der Unterhaltsbeitrag läuft im selben Antrag wie die Kurskosten. Die Auszahlung erfolgt monatlich im Voraus (§ 24 Abs. 1 AFBG), nachgezahlt ab Kursbeginn, wenn der Antrag rechtzeitig war, sonst ab dem Antragsmonat (§ 11 Abs. 3 AFBG).
Rechnerische Unterstützung vom Amt
Du hast Anspruch auf Beratung durch das zuständige Amt (§ 14 SGB I, anwendbar über § 27a AFBG). Wer unsicher ist, ob sich der Unterhaltsbeitrag lohnt, sollte vor dem formalen Antrag ein Gespräch führen. Dort kannst du nach der voraussichtlichen Förderhöhe fragen, bevor du den Aufwand des kompletten Antrags betreibst.
In meiner Beratungspraxis empfehle ich: Wer berufsbegleitend in Teilzeit lernt, plant ohne Unterhaltsbeitrag. Wer in eine Vollzeitmaßnahme wechselt, sollte ihn unbedingt prüfen.
FAQ
Bekomme ich Unterhalt bei berufsbegleitender Teilnahme? Nein. Der Unterhaltsbeitrag setzt eine Maßnahme in Vollzeitform voraus (§ 10 Abs. 2 AFBG).
Was, wenn ich während des Kurses von Vollzeit auf Teilzeit wechsle? Dadurch allein nicht. Ob eine Maßnahme Vollzeit ist, hängt an ihrer Fortbildungsdichte (§ 2 Abs. 3 AFBG). Der berufsbegleitende Kurs bleibt eine Teilzeitmaßnahme.
Ist der Unterhaltsbeitrag Zuschuss oder Darlehen? Zuschuss, in voller Höhe (§ 12 Abs. 2 AFBG). Nur in der Prüfungsvorbereitungsphase nach dem letzten Unterricht gibt es ihn als Darlehen (§ 12 Abs. 3 AFBG).
Lohnt sich der Kinderbetreuungszuschlag? Für Alleinerziehende ja: 150 Euro pro Monat pro Kind, auch ohne Nachweis von Betreuungskosten. Bei einer Weiterbildung von 12 Monaten sind das 12 × 150 = 1.800 Euro pro Kind, wenn der Antrag vor Kursbeginn eingeht. Paare bekommen den Zuschlag nicht.
Gilt der Unterhaltsbeitrag bundesweit? Ja. Die Regelungen sind bundeseinheitlich im AFBG verankert.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von Skill-Sprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Promovierter Wirtschaftspädagoge, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Berufstätige, die den Wirtschaftsfachwirt oder die KI-Weiterbildung angehen. Er begleitet wöchentlich Menschen, die neben dem Job den nächsten Karriereschritt machen wollen. Mehr über den Autor.
Zuletzt geprüft am 23. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
Auszeit oder Teilzeit? Den Unterhaltsbeitrag gibt es nur in Vollzeit.
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